FRAGEN AN…

Bilal Dincel

Von unserem Mitglied und dem Redaktionsleiter der Gmünder Tagespost Michel Länge, zur Verfügung gestellt und mit freundlicher Genehmigung der Gmünder Tagespost:
Gmünder Tagespost
Die Muslimische Gemeinde will im Becherlehen ein Gemeindezentrum und eine Moschee mit Kuppel und Minarett baün. Darüber beriet nun erstmals der Gemeinderat. CDU-Stadtrat Dr. Reinhard Kuhnert forderte dabei die Muslime auf, auf das Minarett zu verzichten, weil Münster und St. Augustinus auch keine Türme hätten, weil es zu Mohammeds Zeiten keine Minarette gegeben habe und diese überflüssig seien, da heute jeder eine Uhr habe. Drei Fragen an den Sprecher der Muslime, Bilal Dincel.

Warum ist den Muslimen das Minarett so wichtig?

Dincel: Zu einer richtigen Moschee gehört ein Minarett. Dies ist historisch so zusammengewachsen, genauso wie die Türme der Kirchen. Ein Minarett ist ein Merkmal und ein Symbol. Wir wollen uns dadurch sichtbar machen und eine Öffnung nach außen signalisieren. So wird auch etwas sichtbar, was schon seit 45 Jahren da ist, im Prinzip ist es nichts Neüs. Wichtig ist dabei auch, dass wir die Integration der Muslime in Schwäbisch Gmünd als Hauptaufgabe in unserer Konzeption haben. Dies können wir nur ganzheitlich machen und nicht mit solchen Einschränkungen von vornherein blockieren. Es kann den Muslimen nicht abgesprochen werden, dass sie nach ihrem religiösen Empfinden das Minarett als eine Identität sehen. Nicht zu vergessen ist hier auch der berechtigte und im Grundgesetz gesicherte Anspruch auf Gleichbehandlung.

Ist es für Ihre Gemeinde denkbar, auf das Minarett zu verzichten?

Dincel: Aus oben genannten Gründen nicht.

Eine geäußerte Befürchtung war, dass das Vorhaben im Becherlehen Parallelgesellschaften eher befördert statt beseitigt. Nach eigenem Bekunden aber ist Integration Ihr Anliegen. Worauf gründet Ihre Zuversicht, dass Ihnen dieses mit Ihrem Vorhaben gelingt?

Dincel: Ich habe sehr viel gelernt in den letzten zwölf Jahren meiner Integrationsbemühungen und behaupte, die Probleme und die Gesellschaften zu kennen. Einig sind wir uns alle auch darüber, dass wir etwas verändern und tun müssen. Mit der herkömmlichen Art und den bisherigen Wegen sind wir leider nicht weit gekommen. Auch hat sich vieles in der Migrantengesellschaft geändert im Vergleich zu früher. Der Schuh drückt nun woanders wie vor 20 Jahren. Wir haben dies in unserer Gemeinde erkannt und unsere Inhalte komplett auf den Kopf gestellt. Wir müssen Räume und Plätze schaffen, wo Zusammenkommen und Austausch stattfinden können. Wir müssen Hilfe leisten, dass man aufeinander zugeht. Weder der Zufall noch das Auffordern alleine wird uns diese Arbeit abnehmen. Das Gemeindehaus wird solch eine Begegnungs- und Hilfswerkstatt werden. Aber ganz klar ist auch, dass wir das alleine nicht meistern können. In diesem Zusammenhang sehe ich den städtebaulichen Vertrag als einen großen Schritt, der für mich vorbildlichen Charakter im ganzen Land haben wird. Dies ist wirklich eine große Chance für Schwäbisch Gmünd. Wir müssen neü Wege gehen, und diese gemeinsam.
mil